Der Todestag von Tony Sly jährt sich zum ersten Mal (1970-2012)

© Kristen Wright / Fat Wreck Chords


Der Singer-Songwriter und Frontman von No Use For A Name starb heute vor genau einem Jahr am 31. Juli 2012 mit nur 41 Jahren. Ein Gedenkschreiben zum Todestag von Tony Sly.

Ein Jahr ist vergangen und es fühlt sich immer noch seltsam an. Wer weiß, ob das Gefühl jemals vergeht und ob es das überhaupt soll. Wenn ich heute die Songs von No Use For A Name höre, dann gehe ich dazu nicht mehr wirklich ab wie früher, obwohl die Lieder an Energie nur so strotzen. Ich verfalle stattdessen in eine melancholische Starre und lausche jedem einzelnen Wort, das aus Tony Slys Mund kommt.

Erst dachte ich, es sei ein schlechter Scherz. Dann kam der Schock.

Es war einer dieser Nächte, in denen ich schlecht schlafen konnte und darum noch etwas im Internet nach Musik gestöbert habe. Auf einer Website (ich weiß nicht mehr ob es Dying Scene oder Punknews war) stand auf einmal dieses Zitat von Fat Wreck Chords, dem Label von NUFAN:

It is with great sorrow that we must say goodbye to Tony Sly of No Use For A Name. We received a call earlier today of his passing, and are devastated. We have lost an incredible talent, friend, and father – one of the true greats. Fat Mike had this to say: “One of my dearest friends and favorite song writers has gone way too soon. Tony, you will be greatly missed.

Zuerst dachte ich an einen schlechten Scherz. Tony Sly war doch erst 41 Jahre alt. Ich habe daher im Internet gesucht und gesucht. Aber je mehr ich recherchierte, desto mehr wurde mir bewusst, dass diese Nachricht wahr war. Ein großes Idol und eine Ikone der Punkrock-Szene war gestorben.

Eine Welle der Erschütterung und Anteilnahme brach los.

Keiner konnte es fassen, keiner. Keiner gab sich mit dem Statement, dass er friedlich eingeschlafen sei, zufrieden. Jeder suchte nach Antworten. Jeder wollte wissen, woran und warum Tony Sly am 31. Juli 2012 mit nur 41 Jahren gestorben ist. Doch die Todesursache wurde nicht bekannt gegeben.

Knapp eine Woche nach der schockierenden Meldung wurde eine Gedächtnisfond von Rory Koff, Schlagzeuger von NUFAN, gestartet. Aber nicht nur das. Tausende Fans auf der ganzen Welt teilten NUFAN-Videos und Fotos im Social Network. Zahlreiche Bands, Singer-Songwriter und engste Musikerfreunde von Tony veranstalteten Tribute Shows, widmeten Tony Sly Songs (wie die Donots und Frank Turner) oder coverten dessen Songs (wie Tim Mc Illrath und Jon Snodgrass). Fat Mike ist immer noch dabei, eine Tribute Compilation zusammenzustellen, auf der Tony Slys Lieblingsbands wie Bad Religion und Lagwagon, vertreten sein werden.

Mit Tony Sly starb auch eine der einflussreichsten Punkrockbands der 1990er Jahre. Bassist Matt Riddle verkündete im September 2012 während einer Tribute Show auf dem Macadam Festival in Quebec, dass NUFAN ohne Tony Sly nicht weiter existieren werde. Ein weiterer Schock, aber ein verständlicher.

Joey Cape – der letzte Weggefährte von Tony Sly

Man möchte und kann sich nicht vorstellen, wie schwer es für die Familie und Freunde gewesen sein muss und bestimmt auch noch ist, wenn schon die Fans dermaßen trauern. Einer der engsten Freunde von Tony Sly war Joey Cape, Singer-Songwriter und Frontmann von Lagwagon.

Joey Cape hat mit Tony Sly zwei Alben aufgenommen, in denen sie jeweils Songs ihrer Hauptbands zauberhaft in akustische Versionen verwandelten. Zusammen mit Singer-Songwriter Jon Snodgrass und Pianist Brian Wahlstrom gründeten Joey und Tony 2011 die Band Scorpios.

Mit Joey Cape teilte sich Tony Sly am 29. Juli 2012 in Gainsville/Florida das letzte Mal die Bühne. Ihr letzter Song war Linoleum, ein Cover von NoFX.

Ich habe Joey Cape auf einer privaten Feier kennengelernt. Er war gut drauf und trank Rotwein. Am späten Abend spielte er ein paar seiner Songs auf der Akustikgitarre. Als jedoch einer aus dem Publikum rief, er solle auch „International You Day“ von Tony Sly spielen, brach er ab und ging.

Nun sind Scorpios wieder auf Tour. Als Hommage an ihren Freund spielen sie International You Day. Auf dem Groezrock Festival in Belgien stand ich mit Tausend anderen Fans im Zelt und grölte mir die Seele aus dem Leib. Ein Moment, den ich nie vergessen werde und der mich immer noch Gänsehaut bekommen lässt.

Wie starb Tony Sly? Bisher alles nur Gerüchte

Wie oder woran Tony Sly gestorben ist, bleibt weiterhin unklar. Die Gerüchteküche fing aber bereits ein paar Wochen nach seinem Tod an zu brodeln. Tony hatte starke Schmerzen aufgrund eines Bandscheibenvorfalls. Dagegen nahm er Schmerztabletten. Auch soll Tony Schlafprobleme und vermutlich Depressionen gehabt haben.

“It’s a herniated disc on my cervical spine. I’m in pain all the time and that sucks. I’ve been getting epidural shots, seeing a chiropractor and I’m in physical therapy. It’s all a bit much, and a bit depressing,” he said.

In Kombination mit Alkohol soll dieser Tablettencocktail tödlich gewesen sein. Doch all dies bleibt eine Vermutung.

Was aber vielmehr in Erinnerung bleibt, ist dieses grandiose Talent, welches Tony Sly war. Er war einer der besten Singer-Songwriter, das die Punkrock-Szene der 1990er Jahre hervorgebracht hat, eine Ikone und ein Idol für viele.

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