Joey Cape (Lagwagon), Dan Andriano (Alkaline Trio), Chris McCaughan (The Lawrence Arms) – um nur ein paar Musiker zu nennen. Sie alle tun es schon lange. Sie alle sind eigentlich in Punkrock-Bands, touren aber auch gerne nur mit Gitarre unter dem Arm durch die Welt. In ihren Solo-Projekten kommt ihre emotionale und melancholische Ader aber erst richtig zum Vorschein.

Von Stephan Berghof

Dave Hause (The Loved Ones) macht seit drei Jahren auf Solo. Und das sehr erfolgreich. Er war Teil der The Revival Tour 2011 mit Chuck Ragan (Hot Water Music), seine Konzerte sind mittlerweile schnell ausverkauft. Als Dave Hause beispielsweise im Akustik-Zelt auf dem Groezrock 2013 spielt, platzt dieses aus allen Nähten.

Das letzte Album von Dave Hause, Resolutions, liegt jetzt zwei Jahre zurück. Dort gab es zehn herzzerreißende Geschichten. Eine melancholischer als die andere. Man hätte eigentlich einen Warnhinweis anbringen müssen: Nichts für Menschen mit Depression! Denn wenn man Dave Hause hört, wird man sicher Eines ganz sicher nicht tun: Tanzen, Lachen, eventuell sogar nicht einmal mitsingen. Stattdessen wird man zuhören, und noch einmal zuhören, abtauchen und nachdenken. Denn in jedem Wort steckt diese ehrliche Poesie bestehend aus einer guten Mischung Lebenserfahrung, geplatzten Träumen, Melancholie und Herzschmerz.

Auch auf seinem neuen Album Devour ändert sich daran nicht viel. Hier findet man zwölf Tracks mit ähnlicher Instrumentierung, Gesangslinie, Songaufbau und sogar Songlänge wie beim Vorgängeralbum. Der Opener “Damascus” klingt beispielsweise wie eine Mischung aus den Tracks “Time Will Tell” und “Resolutions”.

Was ist aber anders? Generell sind die Songs auf Devour rockiger. “The Great Depression” ist eine erstklassige Nummer, deren Energie gleich auf “We Could Be Kings” und die darauffolgenden Titel übertragen wird. In Dave Hause’s neuen Songs geht es auch oft darum, die Versprechen des Amerikanischen Traums zu hinterfragen, die man als Kind hatte. Ein solcher Song ist “Autism Vaccine Blues”. Dave Hause sagte selbst darüber:

“The title itself is something I’ve had for a while. Between thinking of the title and writing the song, the myth was basically debunked that autism developed from vaccinations given to children. I wanted to still use the title and wanted to examine the irony that in the future we may end up with a vaccine that cures autism. It got me wondering whether the people who had been stricken with the disorder, upon being cured, would prefer to go back to their former state after being awakened and subjected to all of the complications and stress of life in America. The song is written from the perspective of someone who has been recently cured of autism and isn’t so sure they are ready and willing to cope with all that we have to offer here in modern society. I’m not so sure I am either. “

Gegen Schluss des Albums, ist dann vor allem “Bricks” ein wirkliche Klang-Oase. Zurücklehnen und nur der Akustikgitarre und Stimme lauschen. Devour ist nichts Neues, aber eine ordentliche Fortsetzung von Dave Hauses grandioser Solo-Karriere. Für Fans von tiefgründigen Folk-Rock-Songs ein absolutes Muss!