© Fat Wreck Chords / New Damage Records

The Flatliners sind wie ein kanadischer Schnellzug, der erst Halt macht, wenn sie das wollen. Mit an Bord: Über zehn Jahre Bandgeschichte und ein Leben für und von Musik. Diese Eindrücke sind schön kompakt verpackt in ihrem neuen Album Dead Language.

The Flatliners sind – so scheint es – eine der Bands, die sich trotz einem Deal mit dem Punkrock-Über-Label Fat Wreck Chords noch den Allerwertesten abtouren müssen. „If you spent every minute, every penny of your adult life on the road, you might make a record like Dead Language“, liest man auf der Homepage des Labels. Und bei Facebook ist nur ein Wort bei Einflüssen gelistet: LIFE. Seit über zehn Jahren sind The Flatliners in gleicher Besetzung und in gleicher Instrumentierung auf den Straßen der Welt unterwegs.

 

Einsteigen, bitte!

Apropos Straße. Oder sollte man eher sagen: Schiene? Die ersten Takte des Openers Resuscitation Of The Year auf der Hi-Hat klingen wie das aufbruchsvolle Schnaufen einer Lokomotive. Kurz ertönt auf den Gitarren ein liebliches und wehmütiges „Lebe wohl!“ Dann stampft er mit aller Gewalt und unaufhaltsam los, der Flatliner-Zug. Nein, man muss schon fast sagen ein Schnellzug. Auf geradem Weg von Toronto in deinen Gehörgang.

Wer jetzt denkt, dass ja ein Zug auch Bahnhöfe ansteuert und ab und zu eine Verschnaufpause einlegt, der irrt bei The Flatliners gewaltig. Denn mit Bury Me wird nochmal Kohle ins Feuer geschaufelt. Die quietschenden Gitarrenriffs in der Mitte des Songs klingen als ob ein Wagon in der Kurve kurz vorm Entgleisen ist. „I’m never coming home“ singen The Flatliners in Birds Of England, der erste Song, bei dem man sich einen Kaffee im Speisewagon gönnen könnte. Eine kleine Stärkung, denn mit Drown In Blood wird kurz und rasant die Melodic Hardcore Schiene gefahren. Eine Pause ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Immer wenn man sich auf eine Ruhepassage einstellt, ist diese nach maximal acht Takten vorbei. Dann geht es härter weiter als zuvor, wie der Song Sew My Mouth Shut eindrucksvoll beweist.

Knallharte Riffs, Sing-Alongs und Kreativität

Eine der herrlichsten Punkrock-Nummern auf Dead Language ist Caskets Full. Der Track mit seinem klaren Aufbau strotzt mit einem knallharten Riff, absolutem Sing-Along Refrain und kreativem Solo. Er ist auch deswegen so gut, weil er zwei Probleme im Leben der Flatliners sehr gut wiedergibt: Geldnot und Rastlosigkeit. Und obwohl sich der Flatliners-Express gegen Ende des Album gleichmäßig fortbewegt, gibt es noch die ein oder andere Überraschung. So klingt der Einsatz auf den Offbeats bei Ashes Away wie das plötzliche Schließen der Schranken. Hounds überrascht mit seiner durchbrochenen Rhythmik und einer wunderschönen Melodie der Leadgitarre. Bei Tail Feathers ist der Dampf erst einmal raus. Vier Minuten hat man Zeit, um etwas zu verschnaufen. Der Song beginnt ruhig, doch im Hintergrund stampft die Bass Drum bereits ungeduldig. Prägnant ist hier der chromatische Durchgang, der die Rastlosigkeit bei den Worten „’cause you had to run away, run away, run away“ klanglich stützt. Die letzten Kohlen werden im Song Young Professionals verheizt und mit Brilliant Resilience rollen The Flatliners nach dreizehn Stationen endlich ins Ziel.

Dead Language. Eine tote Sprache? Das mag vielleicht Latein sein. Die Sprache der Flatliners ist so lebendig, so nah am Leben und so verdammt ehrlich. Dead Language ist ein Zug, mit dem man gerne noch einmal fährt.

Infos:

VÖ Datum: 13. September 2013
Genre: Punkrock, Melodic Hardcore
Label: Fat Wreck Chords / New Damage Records
Info: www.theflatliners.com
Format: LP

Trackliste:
1. Resuscitation Of The Year
2. Bury Me
3. Birds Of England
4. Drown In Blood
5. Sew My Mouth Shut
6. Caskets Full
7. Ashes Away
8. Hounds
9. Dead Hands
10. Quitters
11. Tail Feathers
12. Young Professionals
13. Brilliant Resilience